Veröffentlicht: 04.12.2018 unter Aktuelles

Warum die „Schorre“ nicht abgerissen werden darf

Ein Kommentar von Rüdiger Fikentscher

In der Willy-Brandt-Straße befindet sich die „Schorre“, mit früherem Namen „Hofjäger“. Dieses Gebäude ist dem Vernehmen nach vom Abriss bedroht. Das darf aus zweierlei Gründen keineswegs geschehen:

 

 

  1. Der eine Grund ist jüngeren Datums: Während vieler Jahrzehnte bis in die jüngste Zeit fanden in der „Schorre“ begeisternde Tanzveranstaltungen und Rockkonzerte statt, an die ganze Generationen von Hallenserinnen und Hallensern einmalige Erinnerungen haben, die beim Anblick und der Nennung dieses Gebäudes wieder erweckt werden. Das soll man den Menschen nicht nehmen.
  2. Der ältere und für vor allem für uns bedeutende Grund liegt in der Geschichte des „Hofjäger“: Er ist ein Ereignisdenkmal ersten Ranges, nicht nur für Halle, sondern für ganz Deutschland, woran durch eine davorstehende Säule erinnert wird. Hier fand vom 12. Bis 18. Oktober 1890 der erste Parteitag der SPD nach dem Fall des Soziallistengesetzes statt. 12 Jahre war jede Art von Parteiarbeit verboten, doch bei den Reichstagswahlen erhielten die Kandidaten mehr und mehr Stimmen, sodass das „Sozialistengesetz“ im Reichstag keine Mehrheit mehr bekam und außer Kraft trat. Hier in Halle gab sich die Partei vor 128 Jahren ihren noch heute geltenden Namen: „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“. Am 100. Jahrestag 1990, fand hier eine Gedenkveranstaltung statt, auf der Johannes Rau, der spätere Bundespräsident und damalige Ministerpräsident von Nordrheinwestfahlen die Festrede hielt. In einem Reisebuch „Orte der Sozialdemokratie“, in dem natürlich auch Halle enthalten ist, steht der „Hofjäger“ an erster Stelle. Dieser Ort ist nicht nur für die SPD bedeutsam, sondern wegen unserer gemeinsamen Demokratiegeschichte auch für ganz Deutschland.

 

 

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